Wenn ich die erlebte Entwürdigung ignoriere, trage ich mein blutendes Herz auf einem Tablett vor mir her, fühlbar für alle anderen. Über der Wunde bilden sich Verkrustungen und schreckliche Narben, die lebenslänglich schmerzen. Ich muss innerlich zurück in dieses Erlebnis und meine verletzten Gefühle suchen.

Erst dann kann eine Haut über die Entwürdigung wachsen. Sie besteht aus meinen Gefühlen und meiner Wahrnehmung. Die erste Hautschicht ist noch instabil und schmerzempfindlich, so dass sie auf Geräusche und Gerüche, auf Stimmen, Gelächter und Atmosphären sofort reagiert. Manchmal muss sie noch einmal entfernt werden, weil die Wunde noch heftig blutet und sich die neue Haut aus meinem Innersten, meinem Ursprung heraus bilden soll. Sie wächst immer wieder nach. Zartrosa! Es dauert seine Zeit, bis sie haltbar ist.

Die erste Hautschicht, Zuversicht, Vertrauen, Zutrauen muss eine Zerreißprobe bestehen und wenn sie fest ist, kann die zweite Hautschicht wachsen, dann die dritte …

Die Haut, die mit der Zeit über die Wunden der Entwürdigung gewachsen ist, ist eine Landschaft von Spuren und Narben. 
Sie hat ihre eigene Schönheit, lebt und strahlt in der Farbe der Würde.